|
|
|
|
|
|
|
Home < German Pages < Das Leben des Leibes Das Leben des Leibes„Das Leben des Leibes“ ist ein Begriff, der sich aus der Jesus-Bewegung ergeben hat und der sich auf die neueste Entdeckung der Gemeinde von offenen, von Teilnahme gekennzeichneten Treffen bezieht. Christen stellen immer überrascht fest, dass ihre Lieblingstreffen diejenigen sind, die nicht von einer einzigen Person geleitet sind. Fast jeder von uns hat mindestens ein solches Treffen erlebt, wo jedes gesprochene Wort und jedes gesungene Lied von Gottes Gegenwart durchdrungen war. Allerdings soll dieses Erlebnis kein seltener Genuss sein, sondern unser normales christliches Gemeindeleben, das die Spitze eines viel größeres Eisbergs ausmacht, den wir genießen sollen. Wir sollen nicht zwei bis drei Stunden pro Woche in der Gemeinde passiv sitzen und leise zuhören, während wir 99 % der Aktivitäten an eine handvoll Pfarrer oder Pastoren weiterleiten. Eher als alle anderen sollen Protestante es nicht zulassen, dass eine besondere „geistliche“ Menschenschicht die ganze Planung und Leitung an unserer statt übernimmt, wenn man bedenkt, dass unsere Traditionen auf die Basis der „Priesterschaft aller Gläubigen“ beruhen. Die meisten Gemeindetreffen würden ganz zusammenbrechen, wenn eines Tages der Pastor, der Musikleiter und andere Gemeindeangestellten zu Hause bleiben würden. Wenige Schlüsselmitglieder müssten für das Ganze funktionieren. Unsere aktuelle Situation lässt sich nur zu gut mit einem Dialog, das ich neulich gelesen habe, vergleichen: „Wie geht’s dir?“ „Ziemlich gut – den Umständen entsprechend.“ „Welche Umstände?“ „Also, ich habe einen gut funktionierenden Arm. Er ist sehr lebhaft. Allerdings habe ich ein krankes Bein.“ „Was ist mit dem Bein los?“ „Ich nehme an, dass es gelähmt ist. Zumindest macht es nichts anderes außer einmal die Woche oder so zu zucken, aber das ist gar nichts im Vergleich zu meinen restlichen Teilen.“ „Was ist denn da los?“ „Allem Anschein nach ist der Rest tot. Es stinkt und kleine Stückchen
Fleisch fallen immer ab. Ich decke es immer gut zu. Fast das einzige, was
es darüber hinaus noch gibt, ist mein Mund, der zum Glück einwandfrei
funktioniert. Wie geht’s dir?“ A.W. Tozer sagte einmal, “Die Gegenwart [Gottes] und die Manifestation der Gegenwart sind nicht ein und dasselbe . . . Er zeigt sich nur, wenn wir uns seiner Gegenwart bewusst sind“ (Trachten nach Gott, S. 64). Das gleiche gilt für den Leib Christi. Besucht man irgendein Treffen von Baptisten, Methodisten, Katholiken oder anderen Konfessionen findet man bestimmt anwesende Glieder des Leibs Christi, weil Gläubige da sind. Aber die Anwesenheit des Leibs deutet nicht unbedingt darauf hin, dass der Leib tatsächlich funktioniert. Es ist sogar typisch, dass von den möglicherweise hunderten von anwesenden Menschen nur drei oder vier einzelne das ganze Treffen ermöglichen. Eine riesige Zunge steht vor einem Raum voller Ohren. Stell dir vor, dass nur drei oder vier Glieder deines Körpers jetzt eigentlich funktionieren würden; ein Arzt würde sich bestimmt so seine Gedanken machen. Doch wir behaupten, dass dies irgendwie biblischen Richtlinien entspricht (für ein anderes Bild siehe 1. Kor. 14,26ff.). Gemeindeangestellte beklagen, dass sich Gemeindeglieder nur schwer zur Teilnahme und Übernahme von Verantwortung für Aktivitäten motivieren lassen; auf der anderen Seite tragen sie aktiv dazu bei, das Dilemma aufrechtzuerhalten, das sie eigentlich beklagen. Die Pastoren sind ausgebrannt und die Mitglieder sind gelangweilt. Aber wenn einer aus dem Alten ausbricht und etwas anderes vorschlägt, wird er plötzlich als Gefahrenquelle und Belastung für die Gemeinde angesehen. Viele Glieder, ein Leib Dies kann nur passieren, weil wir uns nicht dessen bewusst sind, was es heißt, der Leib Christi zu sein. Der Leib Christi zu sein bedeutet, dass wir zusammen eins sind mit Christus und daher miteinander eins sind. Mein persönliches Einssein mit ihm reicht nicht aus, um Gottes Zweck, den er mit meiner Erlösung verfolgte zu erfüllen; aus diesem Grund hat Gott immer ein Volk als Ganzes umworben, bei dem er sein Willen tun konnte. Indem er dich und mich in sich hineingenommen und uns mit sich eins gemacht hat, hat er uns miteinander eins gemacht. Wir können uns nicht mehr als getrennte Wesen betrachten, sondern nur als Glieder desselben Leibes. Wir brauchen einander, wie die Hand den Fuß braucht, oder die Zunge das Ohr, oder das Auge die Lunge (siehe 1. Kor. 12). Du begegnest Christus auf eine Art und Weise, wie ich ihm nicht begegne; vielleicht sehe ich ihn an Stellen, wo du ihn nicht siehst. Vielleicht erlebe ich gerade eine „trockene“ Woche (oder Monat oder Jahr), aber deine Woche könnte erfrischend und fruchtbar sein. Ich brauche deinen Anteil an Christus und du brauchst meinen. Gott hat uns nicht als Inseln geschaffen, sondern als Glieder eines Leibes. Diese wechselseitige Abhängigkeit hat nur im Zusammenhang mit dem Einssein mit Christus Sinn. Im 1. Kor. 12,12 heißt es: “Denn wie der Leib einer ist und doch viele Glieder hat . . .: so auchChristus.“ Es heißt nicht: „so auch die Gemeinde,“ sondern „so auch Christus.“ Unser Erlebnis des Einsseins miteinander entsteht aus der Offenbarung der Tatsache, dass wir „in Christus“ sind. Jeglicher Versuch, „Leben des Leibes“ außerhalb eines solchen dynamischen alles verzehrenden Bildes von Christus als das Alles unseres Glaubens herzustellen, wird schließlich als eine „Segne mich“-Gruppe, eine sterile „Zellgruppe“ oder eine der unzählbaren themenorientierten Hausgemeinden, die sich in ganz Amerika verbreiten, enden. Wir sollten uns versammeln, um die Person Christi auszudrücken, nicht uns selbst oder unsere eigenen fleischlichen Bedürfnisse und Ziele. Die Tatsache, dass das Neue Testament ein gemeinsames Erleben des innewohnenden Leben Christi, welches nur in der christlichen Gemeinschaft bekannt ist, beschreibt und anspricht, liegt jedoch im “toten Winkel” der modernen Evangelikalen (wie ihn Edwards nennt). Die meisten wichtigen Verse, die von Lehrern des tieferen Christenlebens zitiert wurden, wurden an Gemeinden gerichtet – an Gruppen von Menschen, die dieses Erkenntnis und dieses Erlebnis vertrauensvoll miteinander teilen. Doch der typische heutige Leser, wenn er die Bibel nimmt, wird sich wahrscheinlich fragen: „Was will mir (als Einzelnem) Gott heute sagen?“ Während dieser Ansatz das Romantische in uns allen anspricht und der Heiligen Schrift eine existentielle Dimension verleiht, verbirgt er die Tatsache, dass diese Wahrheiten am besten funktionieren, wenn sie in der christlichen Gemeinschaft erlebt werden. Du als einzelner wirst nie begreifen können, dass du „mit Christus gestorben“ bist (Röm. 6,3-11) oder dass du im Himmel mit eingesetzt“ wurdest (Eph. 2,6), weil du dazu die ganze Gemeinschaft der Gläubigen benötigst, um etwas so Großes und Vielseitiges zu begreifen. Willst du „die Breite, die Länge, die Höhe und die Tiefe“ der Liebe Christi erkennen, müsstest du „mit allen Heiligen“ zusammen sein (Eph. 3,18). Deine Augen sind einfach zu klein, um ein solch helles Licht wie Jesus Christus wahrzunehmen. Er ist zu groß, dass du ihn alleine gut kennen könntest. Einige Hindernisse auf dem Weg An dieser Stelle sagst du vielleicht: “Aber ich gehöre zu einer Gemeinde.” Das mag wahr sein, aber wahrscheinlich erlebst du überhaupt keine „Gemeinde“, wenn du meinst, dass Gläubige sich regelmäßig treffen, um einer handvoll Geistlicher bei dem zuzuschauen, was eigentlich gemeinsame Aufgabe aller Anwesenden ist, dann nach Hause (das einige Meilen entfernt liegt) zu einem typisch zurückgezogenen amerikanischen Lebensstil fahren. Ich schlage vor, dass wir einige kulturelle und soziologische Hürden überspringen müssen, bis wir jemals das neutestamentliche Konzept der christlichen Gemeinschaft (d.h. „die Gemeinde“) wieder herstellen werden. Doch bevor wir überlegen, welche positiven Handlungen notwendig sind, hier einige Überlegungen vorweg: Erstens: ich gehe davon aus, dass jeder, der Zugang zu einem Neuen Testament hat, weiß, dass „die Gemeinde“ kein Gebäude aus Backstein und Mörtel ist (ein den frühen Gläubigen völlig fremder Gedanke), sie ist auch kein eingetragener Verein(obwohl die Welt uns so definiert), sondern aus den Gläubigen selbst besteht die Wohnung Gottes. Wir hören nicht auf, die Gemeinde zu sein, wenn keine führenden Amtsträger anwesend sind, welche den Aktivitäten zustimmen. Die Gemeinde ist auch kein Ort, zu dem man gehen kann; sie ist ein Volk, unter dem man lebt. Frage nicht, ob es sich bei einer Versammlung von Gläubigen um „die Gemeinde“ handelt auf der Basis dessen, was sie tun, wenn sie sich versammeln. Die Menschen sind einfach die Gemeinde, weil sie in Christus sind und weil Er in ihnen ist. Andererseits laden manche Versammlungsweisen den Geist eher ein, zu leiten und sich zu bewegen, als andere. Zweitens: ich muss es erneut betonen – wenn bei deinem Konzept einer gedeihenden Gemeinde weniger als 10 % der Anwesenden leiten (unterrichten, planen, beten, Lieder auswählen, usw.), wird dein Denken mehr von der Tradition der Jahrhunderte bestimmt als von der Geschichte der neutestamentlichen Gemeinde. Lies diese Geschichte noch einmal durch; ordne die Briefe an die Gemeinden chronologisch und lies sie im Zusammenhang mit der Geschichte. Du wirst merken: wenn ein Apostel oder Gemeindegründer eine Gruppe von Leuten einmal verlassen hat, machte jede Gemeinde eine Zeit ohne Leiter durch, währenddessen alle Mitglieder lernten, wie sie funktionieren und beitragen sollen. Theologen deuten immer auf den Bericht in der Apostelgeschichte über die Gemeinde in Jerusalem hin, um zu beweisen, dass es immer einen geben soll, der „vorne“ predigt und leitet. Doch wenn man die Geschichte nach der Geburt der Gemeinde in Jerusalem verfolgt (und umso mehr in den anderen Städten), verschwinden die Leiter, und die „Brüder und Schwestern“ übernehmen die Hauptrollen. Sogar die einzige Stelle im Neuen Testament, die uns einen Blick in eine wöchentliche christliche Versammlung gönnt, ist 1. Korinther 14,26-33. Gibt es dort bei der Versammlung einen Leiter? Wer ist dort verantwortlich? Der Heilige Geist ist der einzige angebliche Leiter bei einem solchen „ungeleiteten“ Treffen. Wenn dein Pastor am nächsten Sonntagmorgen aufsteht, um seine Predigt zu halten, bitte ich dich, folgendes zu wagen: wenn Gott dir etwas zeigt oder offenbart, was der Gemeinde zugute kommt, steh auf und teile es der ganzen Gemeinde mit. Was meinst du, was dann passieren wird? Man wird dich bestimmt zur Tür begleiten, als besäße der Pastor ein größeres biblisches Recht zu sprechen als alle anderen Anwesenden. Aber ein Mensch kann nicht jede Woche jeden Jahres für 20 Jahre alleine ausreichend für Gott reden. Gott will seinem Volk viel mehr sagen als das, was durch einen oder zwei Menschen gesagt werden kann. Es ist kein Wunder, dass so viele Leute ihre Gemeinden verlassen mit der Begründung: „Der Pastor hat mich einfach nicht gefüttert.“ Er war eigentlich nie seine Aufgabe. Die dritte Überlegung wird am schwersten akzeptiert: Gott wird das „Leben im Leib“ nicht im Rahmen einer traditionellen Gemeinde einrichten, weil diese zwei Dinge sich antagonistisch gegenüber stehen. Gott wird seinen neuen Wein nicht in alte Weinschläuche eingießen, weil diese platzen werden und der ganze Wein verloren geht – der neue sowie der alte. Wie Öl und Wasser können das dynamische „Gemeindeleben“ und die traditionelle Gemeinde nicht lange nebeneinander am selben Ort bestehen, da sie auf völlig unterschiedlichen Grundlagen beruhen. Traditionelle Gemeindepraktiken beziehen sich auf die Wiederholung von Methoden und Programmen und haben ihre Wurzeln in Strukturen der menschlichen Führung. Das dynamische „Leben des Leibes“ kann nicht in einer solchen statischen Umgebung gefasst werden, und es wird immer solche Strukturen über ihre Kapazitäten hinaus ausdehnen. Wenn man versucht, vom Geist geführtes gemeinschaftliches Leben in eine Situation einzuführen, wo Leitende oder eine Gruppe von Leitenden schon die Leute führen, werden die aktuellen Leiter zur Aufgabe ihrer Funktionen und Ämter gezwungen – Funktionen und Ämter, bei denen sie glauben, dass Gott sie zu diesen berufen hatte. Kein vernünftiger Bauunternehmer würde etwas Neues auf bestehenden Strukturen aufbauen, sondern er würde einen leeren Platz aufsuchen: einen offenen Platz ohne Hindernisse. Aus diesem Grund behauptete Paulus, dass er nie so etwas Närrisches tun würde, als zu versuchen, die Gemeinde Gottes auf einem Fundament, das jemand anderes schon gelegt hatte, zu bauen (Röm. 15,20). Es ist nicht nötig, dass wir versuchen, „innerhalb des Systems“ zu bleiben, in der Hoffnung, dass es sich reformieren lässt oder neues Leben hereinlässt. Wir werden es nur in Unordnung bringen. (Kurz zu den Gemeindeangestellten: Falls es einfallsreiche, aufmerksame Menschen sind, fragst du dich: “Wenn das Problem so offenbar ist, warum haben sie es nicht gesehen und angesprochen?“ Aber auf den zweiten Blick sieht man, dass die Gemeindeangestellten schon ein Maß an „Leben des Leibes“ erleben, weil sie funktionieren dürfen! Sie sehen sich täglich (Gemeinschaft), sie planen und führen die Richtung der Gemeinde, sie dürfen sogar bei den Versammlungen den Mund aufmachen! Das Problem ist es nicht, dass ein paar besonders geachtete (und angestellte) Einzelne dies dürfen, sondern dass wir, der Rest, es nicht dürfen! Wir sollten von nun an alle „Gemeindeangestellte“ sein. Ohne Unterschied. Wenn dein Pastor zum nächsten Mal erklärt, „Jedes Glied vollamtlich “, solltest du ihn fragen, an welchem Sonntag du predigen und Lieder aussuchen darfst. Als letztes, bedenke dass derjenige, der in der traditionellen Gemeindeumgebung bleibt, sein neues Erlebnis mit Christus auf die Ebene des Einzelnen einschränkt. Vielleicht möchtest du bleiben, wo du bist, und Gott dort „in Gefangenschaft“ finden. Es mag so sein. Aber du wirst praktisch alleine in deinem Erleben sein. Dies hat nicht damit zu tun, dass andere Ihn da nicht erleben, sondern es gibt keine Möglichkeit, eine gemeinsame Entdeckung Christi mitzuteilen, während die Mehrheit der Leibglieder schlummernd liegt und es gewohnt ist, von wenigen Gliedern passiv „gefüttert“ zu werden. Damit Christus in der Gemeinde erkannt wird, muss er in unseren Versammlungen zum Ausdruck kommen. Wenn er in unseren Versammlungen zum Ausdruck kommen soll, werden wir alle dazu gebraucht – der ganze Leib. Was sollen wir denn tun? Wo geht es nach unseren Überlegungen hin? Wir müssen zunächst erkennen, dass wir bei unseren Versammlungen Christus selbst in sichtbarer, hörbarer, berührbarer Form wieder zusammenbauen. Daher sollten unsere Versammlungen diese Tatsache bezeugen. Erinnere dich daran, dass wir „Er“ in wieder zusammengebauter Form sind; das ist die Bedeutung von „sein Leib“. Bis seine ganzen Glieder frei funktionieren können, wird er nicht völlig gesehen. Lass uns nicht für unsere aktuellen traditionellen Praktiken Scheinbegründungen finden, indem wir zu dem Schluss kommen, dass unsere verschiedenen Begabungen irgendwo außerhalb der Versammlung ausgeübt werden. Unsere gemeinsamen Versammlungen sind die öffentlichsten Beweise unserer Identität – das Christentum ist durch seine Versammlungen bekannt. Wenn wir uns – alle an einem Ort – versammeln, muss Christus in seiner ganzen Fülle gesehen werden. Jene Versammlung darf nicht wie irgendetwas anderes auf dieser Welt aussehen – erst recht nicht eine Versammlung eines Geschäfts, einer Universität oder irgend einer anderen von Menschen etablierten Einrichtung. Jesus sagte, dass wir nicht von der Welt sind genau wie er nicht von der Welt ist (Joh. 17,14+16). Warum sehen unsere Versammlungen wie eine Aktionärsversammlung bei Microsoft aus – mit CEO, Vorstand „den kleinen Leuten“, die leise zuschauen? Christus ist in dir, und er will reden. Christus ist in einem anderen und will singen; durch einen anderen will er Fürsorglichkeit zeigen; durch einen anderen will er herausfordern und ermahnen. Ein anderes Glied Seines Leibes kann seinen Wunsch, Ihn zu loben, kaum zurückhalten. Jedes Glied platzt aus allen Nähten, um gezeigt zu werden. Wenn wir glauben, dass Er lebt und in uns ist, soll auch die Art und Weise, wie wir uns versammeln, diesen Ausdruck ermöglichen. Lass uns mit einem überwältigenden Bewusstsein der Gegenwart Christi unter uns anfangen, dass er die Glieder seines Leibs erfüllt und führt. Als nächstes sollten wir uns die Versammlungen, die uns rechtmäßig gehören, zurückgeben lassen. Nur Christus ist das Haupt seines Leibes, daher soll keiner außer ihm im Mittelpunkt stehen, wenn wir uns versammeln. Das heutige Konzept des vollamtlichen Predigers müssen wir loswerden. Wir müssen endlich von dem Herrn Jesus erwarten, dass Er durch seinen ganzen Leib redet. Dies ist ein Aufruf zum Handeln, nicht zum abgehobenen Philosophieren und hochtrabenden Reden über Gottes höchste Pläne für sein Volk. Wir müssen erkennen, dass unser Dilemma aus der natürlichen Tendenz des gefallenen Menschen entstand, Könige dazu zu bestimmen, uns zu führen. Daher wird eine minimale oder Teiländerung unserer Gemeindetraditionen sich auf das zubewegen, was uns von Natur aus liegt. Wir müssen das Haus Gottes auf offenem Boden bauen – auf flachem Boden, ohne die antiken Möbel unserer alten Traditionen. Glaube nicht, dass eine frische Bewegung des Geistes Gottes unsere Führungsstellen, unsere Bauprojekte von mehreren Millionen Dollar oder unsere Programme mit immerwährender Bewegung intakt lassen wird. Gott wird nicht Seinen neuen Wein in einen alten Weinschlauch eingießen. Wir brauchen einen neuen Weinschlauch: eine ganz neue Art und Weise, uns zu versammeln. Organismus gegen Organisation Wie ein neugeborenes Kind oder ein frisch gepflügtes Feld fängt die Geburt einer Gemeinde immer in voller Einfachheit an. In allen Lebenswesen sind bestimmte Strukturen bei der Empfängnis „angeschlossen“, aber diese brauchen Monate oder Jahre, bis sie sich völlig entwickeln. Das Leben entwickelt sich organisch. Doch wir haben uns daran gewöhnt, den Leib Christi als Maschine zu betrachten. Die meisten amerikanischen Gemeinden werden mit im voraus bestimmten Ämtern und Fünfjahresplänen für Wachstum (sowie immer einem sehr teuren Gemeindehaus, das bald gebaut werden soll) begonnen. Scheinbar glauben wir wie Dr. Frankenstein, dass wir durch das Zusammenbauen aller richtigen Körperglieder und durch einen elektrischen Stromschlag einen lebendigen Organismus erschaffen können. Stattdessen stellen wir fest, dass wir mit einem Monster kämpfen. Die Gemeinde ist keine Maschine. Eine Maschine ist eine Organisation; die Gemeinde ist ein lebendiger Organismus. Folgendes ist ein Test, mit dem wir feststellen können, ob unsere Gemeinden lebendige Organismen oder Maschinen sind: Sehen sie praktisch genauso aus, funktionieren sie genauso Woche für Woche, Jahr für Jahr, Jahrzehnt für Jahrzehnt? Das Leben ist voller Abwechselung und Änderung, während eine Maschine identische Bewegungen immer wiederholt, solange man sie laufen lässt. Ein Auto, Baujahr 2002, ist beispielsweise auch 50 Jahre später ein Auto mit dem Baujahr 2002. Teile werden ersetzt werden müssen, doch nur durch identische Teile. Im Gegenteil wird ein Mensch, Modell 2002, nach 50 Jahren ganz anders aussehen. Biologen erklären sogar, dass jede Körperzelle innerhalb 7 Jahre ersetzt wird. Das Leben erfordert einen dynamischen lebendigen Organismus, der es enthalten kann. Das starre Getriebe einer Maschine würde es nur totschlagen. Kein vernünftiger Mensch würde das Bein eines Babys eingipsen, einfach um sicherzustellen, dass seine Beine zur richtigen Länge und in der richtigen Proportion wachsen. Doch auf diese Weise gehen wir an geistliche Dinge heran. Am Anfang erklären wir, dass eine gesunde Gemeinde dies haben und jenes tun soll, und dadurch dass wir vom Anfang an diese Sachen „ermöglichen“ sollen. „Du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist“ (Matt.16,23). Gene Edwards hat oft darauf hingewiesen, dass man, um die Gemeinde als einen lebendigen Organismus zu „sehen“ – als „sie“ statt „es“ – , oft eine „Offenbarung“ benötigt, die genauso radikal und umstellend ist, als die erste Wahrnehmung, dass Jesus der Christus, der Sohn Gottes ist. Sie ist die Vollendung von ihm (Eph. 1,22-23), daher kann es nur Sinn haben, dass sie zu erkennen und zu erleben (d.h. den Leib) bedeutet, ihn zu erkennen und zu erleben (d.h. das Haupt). Aber während viele davon reden, dass sie Ihn gesehen haben, haben nur wenige davon geredet, dass sie auch sie gesehen haben. Diejenigen, die sie gesehen haben, sehen an einer Gruppe von Christen nicht mehr verschiedene getrennte Begabungen und Persönlichkeiten, sondern ein [weibliches] Wesen, das sein eigenes Leben hat, mit einer eigenen Persönlichkeit und Stimme. Dies ist nicht einfach romantische Semantik – dies ist Wirklichkeit. Es gibt eine lebendige, atmende Person, die darauf wartet, unter uns gesehen zu werden. Diese Offenbarung (wörtlich das „Aufdecken“) ist das, worauf die ganze Geschichte hinausläuft (Röm. 8,19-23, Off. 21), seitdem Gott im allerersten Moment gesagt hat „Es werde.“ Der Herr erhört das Gebet von Paulus, dass Gott die Augen unseres Herzens (Einzahl) erleuchte, damit wir verstehen, zu welcher Hoffnung wir durch ihm berufen sind (Eph. 1,18 Einheitsübersetzung). Was dies in der Praxis heißt Wenn du einmal diese kostbare Perle ausfindig gemacht hast, bleibt dir nur eins übrig: dein Haus zu verkaufen. Ja, du hast es richtig gelesen. Verkaufe dein Haus. Ziehe in eine Nachbarschaft mit anderen Christen ein, damit du sie regelmäßig sehen kannst. Dies ist die soziologische / kulturelle Änderung, auf die ich mich vorhin bezogen habe. Das moderne amerikanische zurückgezogene Leben reicht einfach nicht aus. Ihr kommt nicht herum, nah beieinander zu wohnen und an dem alltäglichen Leben des anderen teilzuhaben, wenn ihr Euch jemals der Gemeinschaft im Stil des Neuen Testaments annähern möchtet. Biblische Städte wie Thessaloniki, Philippi und Antiochia waren viel kleiner (im Durchschnitt 1,6 bis 3,2 Quadratkilometer) als die Städte, in denen die meisten von uns heute wohnen. Die Industrialisierung, Autos und Autobahnen haben unsere Lebensbedingungen radikal verändert und uns weit voneinander verstreut. Durch den Fernseher und Hauslieferungen haben wir uns daran gewöhnt, uns „unter Quarantäne“ zu stellen – wir ziehen uns jeden Abend in unsere private Welt zurück. Dies ist eine kulturelle Hürde, die wir überspringen müssen, wenn wir der Familie Gottes jemals ihre beabsichtigte Vertrautheit zurückgeben werden. Wir sind Brüder und Schwestern, die einander entfremdet sind, als wären wir voneinander getrennt worden und von verschiedenen Pflegefamilien adoptiert. Wenn wir unser Leben diesem hohen Ziel widmen wollen, müssen wir unsere Taten sprechen lassen und zum Umzug bereit sein – auch mit Verlust. Sei mutig! Aber ich würde dies nicht empfehlen, ohne dass jemand dabei wäre, der sich auskennt. Die Gläubigen des Neuen Testaments hatten etwas, was wir, ohne es zu wissen, dringend benötigen: wandernde Gemeindegründer. Gemeinden im Neuen Testament sind nicht einfach so entstanden. Sie wurden begonnen von Männern (und Frauen?), die von Gott berufen waren, die durch jahrelanges Gemeindeleben geübt waren und die vom Heiligen Geist zu genau diesem Zweck ausgesandt wurden. Sie besaßen die tiefe und kraftvolle Sichtweise von Christus als Alles in Allem. Wie Paulus, so deckten sie den Gläubigen die ganze Reichweite und Bedeutung von Christus und dem Kreuz auf (1. Kor. 2,2). Sie haben den Gläubigen gezeigt, was es bedeutet, Gottes Familie zu sein – Brüder und Schwestern in Christus. Sie haben auch gezeigt, wie der christliche Glauben praktisch aussieht und Gottes Leuten geholfen, Ihn besser kennen zu lernen (was voraussetzt, dass sie ihn sehr gut gekannt haben). Und vielleicht am allerwichtigsten war, dass sobald die Brüder und Schwestern gelernt hatten, in diesen Dingen selbstständig zu leben, die Gemeindegründer in eine andere Stadt gezogen sind ohne irgendeine Führungsstruktur zurückzulassen. Zugegebenermaßen wurden sie oft gewaltsam aus der Stadt getrieben, aber Gottes Hand war auch daran beteiligt. In einer Region (Galatien: Apg. 14,23) hat sich bis zur Zeit des zweiten Besuches von Paulus und Barnabas vor Ort eine Führung gebildet, jedoch sollten wir festhalten, dass alle Gemeinden gewöhnlich ohne jegliche Führung vor Ort begonnen haben. Um dies zu bestätigen braucht man nur die Briefe von Paulus an die verschiedenen Gemeinden zu lesen: es lässt sich feststellen, dass es so gut wie keine Hinweise auf eine Leitung vor Ort gibt, selbst bei Gemeinden, die schon mehrere Jahre alt waren. Wo waren die Pastoren, Ältesten, oder Mitarbeiter während all der Probleme in Galatien, Korinth, Thessaloniki oder Philippi? Falls es Leiter gegeben hat, die sich aus den Brüdern und Schwestern entwickelt hatten, kam diesen jedoch keine zentrale Funktion in Sitzungen oder Krisenmanagement zu. Die Briefe von Paulus waren einfach an die Brüder und Schwestern in der jeweiligen Gemeinde gerichtet, was darauf schließen lässt, dass die Verantwortung der Sorge für die Kirche und die Führung in ihren Händen lag. Gemeindegründer des ersten Jahrhunderts haben auf eine wahre „Priesterschaft aller Gläubigen“ hingearbeitet und sind dann zu Seite getreten. Dieser Mann ist notwendig Das Konzept des wandernden Gemeindegründers, dessen Arbeit darin besteht, sich „überflüssig zu machen“ ist fremd für die meisten Christen in der heutigen Zeit. Die moderne Christenheit hängt vollständig von der „Herrschaft“ des Pastors vor Ort ab. Es dauert Jahre, von dieser bestimmten religiösen Tradition wegzukommen; wenn wir jedoch begreifen, dass das heutige Konzept des Predigers ungeeignet ist, könnten wir zurückschrecken, wenn eine andere Art von Führer genannt wird. Wir könnten fragen: „was ist dann mit Christus als unser Haupt?“ Ein erfahrener Gemeindegründer, der einige Jahre als einfacher Bruder oder einfache Schwester in der Gemeinde verbracht hat, wird mit der Führerschaft Christi in der Gemeinschaft der Gläubigen keine Probleme haben. Von Anfang an wird Abhängigkeit von Christus sein oder ihr Ziel sein. „Aber werden wir nicht irgendwie einfach vom Geist geleitet?“ Ja, aber wir müssen noch viel lernen im Gebiet des praktischen Gemeindelebens. Genauso wie Tiere, die in Unfreiheit geboren werden und aufwachsen, sind wir gezähmt und in Passivität eingelullt worden. Ein Tier, das sein ganzes Leben in einem Käfig verbracht hat, weiß nicht, wie es nach seinem eigenen Instinkt leben soll. Ein Lebewesen in diesem Zustand benötigt ein wildes Tier, das vorbeikommt und ihm hilft, seine angeborenen Wesenszüge wiederzuentdecken. Ein Gemeindegründer ist ein „wildes Tier“, das lange genug in der Freiheit gelebt hat um wieder zu lernen, wie man ohne Ketten und Käfig lebt. Leider gibt es nur wenige solcher wirklich wilden Tiere, obgleich dies nichts an der Notwendigkeit von ihnen ändert. Wir müssen verstehen, dass diese Person nicht bloß wahlweise in der Entstehung und Entwicklung des Leibes Christi vorkommt, sondern genauso natürlich und notwendig ist wie die Nase im Gesicht eines neugeborenen Kindes. Jede moderne Ausdrucksweise des Leibes Christi wird, organisch gesehen, mit der Gemeinde in ihrer biblischen Ausdrucksform übereinstimmen. Angefangen mit den zwölf Aposteln war der Gemeindegründer zentral in der Apostelgeschichte. Es würde auch helfen, wenn wir uns vor Augen führen, dass die Funktion der Apostel (wörtl.: Gesandte) oder Gemeindegründer nicht mit den zwölf Aposteln vollendet war. Mit Paulus waren es 13 (1. Kor. 15,8-9), mit Barnabas 14 (Apg. 14,14), mit Timotheus und Silas 16 (1. Thess. 2,6b; 1,1), und mit mindestens noch 6 anderen (Apg. 20,4) sind es 22. Theologen und Pastoren beschränken die Anzahl auf zwölf – entweder aus Unwissenheit, Tradition oder aus der Angst heraus, dass eine Ausdehnung der Kategorie „Apostel“ hin zu einem fortwährenden Geschenk die Autorität der biblischen Offenbarung irgendwie untergraben könnte. Aber dieser gedankliche Sprung muss nicht sein. Eine tiefergehende Ausarbeitung dieser Idee ist in Watchman Nees Behandlung des Themas in „Das Normale Christenleben“ (S. 1-17) zu finden. Dies sind die Zutaten des Gemeindelebens: Eine Offenbarung von Christus als zentral und ausreichend; eine Offenbarung der Gemeinde als lebendiger Organismus, die mit Christus, dem Haupt, verbunden ist; die Auslöschung des Unterschieds zwischen Geistlichen und Laien; die Wiedererlangung von offenen Treffen ohne Leiter, ein sozial-kulturell radikales christliches gemeinschaftliches Leben; ein erfahrener Gemeindegründer. Die Gemeinde Christi erfüllt den ewigen Zweck Gottes in der Schöpfung. Gottes gesamtes Werk bewegt sich auf dieses Ziel hin. Und in dem Kreuz Christi ist das Werk Gottes enthalten und erfüllt. Ganz egal, ob wir die Beziehung des einzelnen Gläubigen zu Gott oder zu dem gemeinschaftlichen Leib Christi betrachten: jegliches geistliches Leben fließt aus einer subjektiven Erfahrung dieses historischen Kreuzes heraus.
<home> |
| Feel free to steal anything I say ( copyright shmopyright ) |